Von den Inseln aufs Festland

Wenn ihr diesen Blog lest, werden wir einige von euch bereits gesehen haben. Es ist schön, so viele Freunde wieder in nächster Nähe zu wissen!

Nachdem wir in Ponta Delgada ablegten und die wunderschönen Azoren mit ihren beindruckenden Natur hinter uns gelassen haben, segelten wir mit Kurs Richtung Portugal. Es war eine ruhige Überfahrt, zu ruhig… Da wir so wenig Wind hatten, benötigten wir statt 6 Tage 10 Tage. Viel nördlicher als wir erwarteten, legten wir in Oeiras bei Lissabon an. Das einzige was uns beunruhigte, waren die Orkas. Über 600 Segelschiffe haben sie seit 2020 angegriffen, davon sind 8 gesunken. Wir konnten über eine App überwachen, wo sie sich befinden könnten, da die Position aller Sichtungen und Attacken auf einer Karte in der App markiert werden. So wussten wir, dass eine Gruppe nördlich unterwegs ist und eine südlich von Portugal. Doch 10 Tage bevor wir ankamen, haben sie genau dort vor Lissabon 2 Schiffe attackiert. Von Oeiras mussten wir schliesslich noch 150 Meilen der Küste entlang durch Orkagebiet nach Faro navigieren. Ständig hielten wir Ausschau, nicht nur nach Orkas, auch die Fischer hatten fleissig ihre Netze ausgelegt. Den Atem hielten wir an, als unser Gast rief: Dort, das ist ein Orka! Er war tatsächlich grösser als ein Delfin. Seine Rückenflosse wurde wieder sichtbar, kurz bevor wir den Motor starten wollten. Sie sah nicht aus wie eine Rückenflosse eines Orkas, es war diejenige eines Grindwals! Der Grindwal änderte seinen Kurs nicht und glitt in ca. 50 m Abstand an unserem Schiff vorbei, beachtete es nicht. Wir atmeten auf…

Nun haben wir unsere Arbeit bereits wieder aufgenommen. Das frühe und regelmässige Aufstehen verkraften wir gut. Hingegen brummt mir, Olivia, der Kopf von all den vielen Geräuschen, Stimmen, Gerüchen, Gesprächen und Begegnungen. Abends, nach dem Unterrichten an der Oberstufe in Burgdorf, habe ich das Gefühl, mein Kopf sei aufgeblasen von ca. einem Meter Durchmesser. Schön ist, dass ich viele im Kollegium noch kenne von vorher und wieder in vertrauten Beziehungen angekommen bin. Ich, Matthias, habe einen sehr angenehmen Arbeitsplatz bei meinem Schwager erhalten. Im Moment isoliere ich die Wohnung des neu umgebauten Bauernhauses. Der Alltag auf dem Bauernhof ist abwechslungsreich und lebendig. Ab und zu erhalte ich Unterstützung von einem Kind der 7 köpfigen Familie. Gesundheitlich geht es mir gut, der Rücken hat die erforderliche körperliche Arbeit bis jetzt gut ertragen.

Wie es in unserem Leben weiter geht, wissen wir noch nicht so genau. Bis im Februar 2027 werden wir arbeiten, doch danach steht alles offen. Unser Schiff haben wir noch nicht verkauft. Einige Interessenten haben sich gemeldet, davon einer der konkreter wurde und das Schiff besichtigt hat. Wir werden in den Schulferien nach Faro Portugal reisen und dort den Unterwasseranstrich des Schiffes machen, es sogleich einwassern und an der Südküste Portugals Richtung Spanien Segeln. Das Ziel ist wieder einmal Almerimar Spanien. Vielleicht werden wir es im Dezember noch ein Stück nördlicher segeln, je nach Wind und Wetter.

Wir wälzen verschiedene Gedanken. Können und wollen wir das Schiff verkaufen? Ja, aber nicht zu jedem Preis. Wollen wir im Februar nochmals ein paar Monate auf dem Schiff leben und schöne Orte im Mittelmeer besuchen? Falls wir es verkauft haben, werden wir wahrscheinlich wieder arbeiten. Ideen hätten wir genug, jedoch müssen wir die Realisierbarkeit prüfen. Das einzige, was uns nicht so gefällt ist, dass wir kein klares Ziel vor Augen haben. Dafür müssen wir uns etwas gedulden und der Verkauf des Schiffes müsste klarer werden.

Auf diesem Weg werden wir uns bereits wieder im Oktober mit weiteren Eindrücken von Portugal, Gibraltar und Spanien melden. Nun wird sich der Kreis schliessen, denn dort waren wir bereits einmal. Bisher kamen wir stets an neue uns völlig unbekannte Orte.

Ein Mensch ohne Träume ist wie ein Boot ohne Segel.

Quelle unbekannt.

Zu dritt während 10 Tagen von den Azoren nach Portugal.

Alltag auf der Überfahrt: Oft gibt es Teigwaren, den Abfall verstauen wir im Ankerkasten und zur Abwechslung gibt es sogar einmal Kürbissuppe.

Unsere treuen Begleiter spielen in der Bugwelle.

Dank dem Parasail können wir trotz wenig Wind segeln. Doch dann dehnt sich die Flaute mehr aus als erwartet.

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