Seit Ende April 2026 segeln wir von Insel zu Insel auf den Azoren. Sie sind in der Schweiz vor allem bekannt von den Wetterprognosen: „ein Azorenhoch bringt schönes Wetter“. Leider haben wir diesen Frühling viele „Azorentiefs“ erlebt, viel Wind und Regen. Doch die wilde Natur ist nach wie vor beeindruckend, sowohl an Land als auch im Wasser. Sobald wir unterwegs sind, begegnen wir Delfinen. Auch Wale haben wir gesichtet. Meistens verraten sie sich durch ihren Blas. Der Rücken eines Blauwals tauchte plötzlich neben unserem Schiff auf. Wenn man sich den restlichen Körper dazu denkt, muss dieses Säugetier riesig sein. Der beeindruckenden Portugiesischen Galeere (giftige Segelqualle) sind wir ebenfalls begegnet, zum Glück vom Schiff aus und nicht badend. Mantarochen und Haie soll es auch geben. Da durch die steil ansteigenden Felswände unter Wasser viele Nährstoffe an die Wasseroberfläche befördert werden, gefällt es anscheinend vielen Tieren in dieser Gegend.
Wir begegnen kaum Touristen und auf den kleinen Inseln gibt es Momente, da hat man das Gefühl, alleine auf der Welt zu sein. Hier auf Graciosa, der zweitkleinsten Insel des Archipels, auf der Suche nach einer Bäckerei, trafen wir doch tatsächlich Martino, den wir in Santa Maria, Azoren kennen lernten. Die Azoren sind „klein“. Er bereitete sich als Tourenguide auf die neue Saison vor und zeigte uns mit seinem Mietauto die spannendsten Orte der Insel. In 20 Minuten hat man sie durchquert!
Seit einer Woche liegen wir in Santa Cruz bei Graciosa in einem neu erbauten Hafen, der jedoch nie fertig wird. Es hat vier Bojen, an einer von denen liegen wir. Ein zur Zeit unbewohntes Schiff befindet sich noch hier, sonst sind wir alleine. Die Strecke zum Land ist so kurz, dass wir ohne Motor, nur rudernd mit dem Dinghi anlegen können. Sogar Wasser fliesst aus einem provisorisch montierten Hahn am Steg, eine Stranddusche ist auch in Betrieb, nur eben etwas frisch. So stört es uns nicht, dass wir hier warten müssen, bis das Wetter besser wird. In den letzten vier Tagen pfiff uns ein frischer Wind, bis 34 Knoten, um die Ohren (ca. 61 km/h). Auch nach einem ausgiebigen Tauchgang von Matthias waren wir nicht sicher, ob der Betonblock dieser Boje unser Boot hält, gerade auch in Böen. Deshalb machten wir uns mit einer Landleine als zusätzliche Sicherheit am Steg fest. Falls die Boje nicht hält, würden wir sehr schnell an den Felsen der Hafenmauer hinter uns auflaufen. Doch die Boje hielt. Inzwischen sind die Wellen draussen so gross geworden, dass sie die Ausfahrt aus dem Hafen unmöglich machen. Wir warten ab, bis sie sich gelegt haben. Denn wenn wir in eine solch brechende Welle hineinfahren würden, könnte es sein, dass das Schiff auf dem Wellenkamm surft und die Welle es direkt an Land spült. Davor haben wir Respekt.
Wir geniessen die Einsamkeit und Stille hier, die Warterei stört uns nicht. Ich Olivia habe meine Nähmaschine hervorgeholt, ab und zu gehen wir an Land für einen Spaziergang und Matthias hält das Schiff in Schwung mit einigen kleinen Reparaturarbeiten drinnen. Da es immer wieder einmal regnet, ist das Arbeiten draussen schwierig. Am Dienstag wollen wir weiter segeln nach São Jorge und Pico. Am 25. Mai werden wir mit neuen Gästen um diese 5 Hauptinsel des Archipels segeln. Anschliessend einen letzten Törn mit Gästen verbringen und dann den Kompass Richtung Europa ausrichten.
Wie wird es wohl sein, wieder in einen schweizerischen Alltag einzutauchen? Landschaftlich erinnert uns auf den Azoren viel an die Schweiz, viele Kühe, Wiesen und Wald. In den Alltag wollen wir langsam einsteigen. Ich Olivia werde erst einmal ein halbes Jahr eine Stellvertretung in der mir bereits vertrauten Schule übernehmnen. Matthias wird beim Schwager im Innenausbau des umgebauten Bauernhauses mitarbeiten.



Graciosa, Azoren






Der Vulkan auf Graciosa ist aktiv, aber ruhig. Durch eine Wendeltreppe kann man ganz hinunter zum Kratersee steigen. Auf dem Bild ist ein kleines Boot einer Forschergruppe sichtbar. Daneben sieht man, wie es im Schlammloch blubbert. Es riecht nach Schwefel, bei zu viel CO2 Gehalt, muss man die Höhle verlassen.
Vor dem Bad in der natürlichen heissen Quelle, erhitzt durch den Vulkan, schwimmen wir kurz im kalten Atlantik. Der Vulkan erhitzt das Wasser des Thermalbads auf 38°C.











Das „Hauptdorf“ der Insel: Santa Cruz de Graciosa
Das ist nicht das einzige „Santa Cruz“, haben wir bemerkt. Auf der Nachbarsinsel Terceira waren wir ebenfalls in Santa Cruz und auf Teneriffa (Kanaren) waren wir auch in Santa Cruz.

Hallo ihr Weltenbummler
So schön, immer wieder von euch zu lesen. Und ja, jede Reise hat einen Anfang und ein Ende. Aber was ihr erleben durftet, da träumen andere nur davon und ihr durftet unterwegs sein und das Leben geniessen.
Schön aber auch, euch wieder gesund in der Schweiz anzutreffen.
Geniesst den Rest der Reise!
Liebe Grüsse senden euch
Eva & René
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Vielen Dank, René und Eva, für eure Ermutigung. Ja, wir freuen uns auf ein Wiedersehen!
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