Zwei Archipele

Zwei Überfahrten: eine „harte“ und eine „schnelle“

Ende Februar brachen wir von den Kanaren auf Richtung Madeira. Es war nicht das einfachste Wetterfenster, das wussten wir, da der Wind in einem kleinen Winkel von vorne vorausgesagt wurde. Auch sind wir von der Jahreszeit her früh nach Madei unterwegs. Wir wollten nicht länger warten, damit wir unsere nächsten Gäste in Madeira rechtzeitig empfangen konnten. Zwei Tage und zwei Nächte lag unser Schiff bei „Hart am Wind“ – Kurs schräg im Wasser. Wir versuchten immer den kleinstmöglichen Winkel zum Wind zu fahren, damit wir „Funchal“ (Madeira) nicht verfehlten. Der Bug tauchte durch die Welle, die Backbord Reling war ständig im Wasser und Gischt spritzte übers Deck. Immer wieder duckten wir uns unter der Sprayhood (Dach über dem Niedergang). Ab und zu schlug der Rumpf mit einem lauten Knall auf dem Wasser auf. Anfangs wurde es uns beiden schlecht, da die Wellen bis über 3 m anstiegen. Auch der Wind wehte von schräg vorne mit über 30 Knoten stark, das sind 7 Beaufort. Wir hatten nicht viel Fahrt, zwischen 4 und 5 Knoten (7-9 km/h) zeigte das Log, dies war langsamer als geplant. Ist man etwas langsamer, so kann sich die Dauer auf eine so lange Fahrt schnell um Stunden oder gar Tage verlängern. Wegen dem starken Wind mussten wir die Segel verkleinern. Das Grosssegel war ständig im 2. Reff und die Genua war meist gerade so gross, dass wir zwischen 4 und 5 Knoten Fahrt machen konnten. Zu Beginn waren wir langsamer, da die hohen Wellen uns abbremsten.

Nach dieser Überfahrt entschieden wir, dass wir bei solchen Bedingungen ein nächstes Mal nicht mehr lossegeln würden. Auch diskutierten wir lange, ob wir nächstes Jahr wirklich eine Atlantiküberquerung machen wollen oder nicht. Wahrscheinlich hat uns diese Überfahrt geholfen, uns realistisch zu entscheiden. Die Überquerung von Ost nach West wäre nicht schwierig, da der Wind hauptsächlich von hinten kommen würde. Doch zurück nach Europa, von West nach Ost, diese Richtung ist herausfordernd. Ausserdem würde es für uns finanziell eher knapp. Wir stellten uns schlussendlich die Frage, ob wir wirklich den letzten Rappen dahinein investieren oder lieber vorerst einmal in die Schweiz zurückkehren wollen. Wir beide sind auch keine Menschen, die die Einsamkeit über alles lieben, weshalb wir unsere Freunde und Familie in der Schweiz vermissen. Die Entscheidung war somit bis auf weiteres gefällt, wir wollen im Juli 26 nach Europa zurückkehren.

Kurz darauf stellten wir uns die nächste Frage: Was machen wir mit unserem schönen Schiff? Da wir in der Schweiz viel arbeiten werden und nicht mit vielen Ferienwochen rechnen, werden wir das Schiff nicht viel nutzen können. So entschieden wir uns schweren Herzens, es ab Sommer 2026 zu verkaufen. Wir werden es zum europäischen Festland zurückfahren und in Spanien einen Hafenplatz suchen, wo wir es in aller Ruhe verkaufen können. Falls ihr jemanden kennt oder selber interessiert seid, meldet euch bitte möglichst bald bei uns. Bis im Juli geniessen wir jedoch noch jeden Tag mit unserer Mahuida IV!

Die zweite Überfahrt jedoch, von Madeira auf die Azoren war viel angenehmer. Mit weniger hohen Wellen und Wind von der Seite. Wir brauchten dafür nur 81 h statt der geplanten 100. Auch unserem Gast Werner (77 Jahre alt!) ging es sehr gut. Während der Nacht konnte er gut schlafen, trotz der Wellen, die teils gegen den Rumpf krachten. Matthias und ich, Olivia, wechselten uns nach unserem gewohnten Wachplan ab: 20.00 bis 00.00 Uhr und 00.00 bis 04.00 Uhr, danach nochmals je 3 h. In der Nacht wurde es sehr kalt, wir krochen unter die Sprayhood, wo wir zusammengerollt und geschützt vor Wind und Wasser aufpassten, damit wir mit keinem Schiff kollidierten. Es hatte auf dieser Strecke wenig Verkehr und dennoch mussten wir den Kurs zweimal anpassen, weil ein Tanker haargenau mit uns zusammentraf. Wir haben die beiden Tanker jeweils angefunkt und zusammen entschieden, wie wir den Kurs anpassen.

In der Schweiz habt ihr ja den Kälteeinbruch auch etwas gespürt, so haben wir hier auf den Azoren die Azorentiefs hautnah miterlebt, besonders mit viel Regen und Wolken. Für uns sind die Temperaturen zwischen 15 und 18 Grad eher frisch. Doch sowohl von Madeira als auch von den Azoren sind wir beeindruckt: Grün, wild, unglaublich viele Pflanzen und eindrückliche Tiere im Meer. Siehe Fotos. Ja, es ist uns schwer gefallen, die besten Fotos auszusuchen!

Funchal (Madeira)

Mit Debora und Tina erkunden wir die Insel „Desertas“ (Madeira). Sie wird von 5 Rangern bewacht, da Naturschutzgebiet und von einer Robbenkolonie besiedelt.

Da der Wind zu stark zum Segeln ist, erkunden wir die wunderschöne Insel auf dem Landweg.

Weiter gehts ab Quito do Lorde (Madeira), Richtung Azoren (4 Tage und 4 Nächte).

Santa Maria (Azoren), die südlichste Insel.

Nach Santa Maria steuern wir die Hauptinsel São Miguel (Azoren) an und finden in Ponta Delgada einen Platz im Hafen. Während wir den Papierkram erledigen, schlägt eine Welle das Schiff gegen die Mauer bei der Rezeption, so dass ein Stück des Holzes vom Relingfuss weggerissen wird. Matthias konnte dies heute zum Glück reparieren. Die Azoren sind ein wildes Segelgebiet, wir müssen achtsam sein.

Liebe Grüsse aus São Miguel (Azoren), wo wir voraussichtlich noch 2 bis 3 Wochen bleiben, bevor wir zu den westlichen Inseln des Archipels weitersegeln. Das nächste Ziel ist Terceira.

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